Prof. Dr. Bernhard Hommel

Bernhard Hommel: Wie triggern wir uns nicht zu Tode?

Wie finden wir die Balance im Alltag?

Prof. Dr. Bernhard Hommel, Psychologe und Autor des Buches „Wir triggern uns zu Tode“, beschreibt die moderne Informationsgesellschaft als eine, die sich zunehmend in eine Spirale aus Empörung und Reizüberflutung treibt. „Je häufiger wir uns mit negativen Nachrichten konfrontieren, desto mehr werden unsere Gedanken von ihnen dominiert“, sagt Hommel. Die Flut an Informationen erzeugt emotionale Reaktionsmuster, die uns in einem Zustand ständiger Anspannung halten.

Die Mechanik der Überforderung

Noch vor wenigen Jahrzehnten war der Nachrichtenkonsum klar strukturiert: Eine Zeitung am Morgen, eine Nachrichtensendung am Abend. Heute werden wir durch Social Media, Liveticker und Push-Benachrichtigungen unaufhörlich mit neuen Meldungen konfrontiert. „Wir haben uns angewöhnt, sofort Haltung zu beziehen“, erklärt Hommel. „Dabei vergessen wir oft, dass wir nicht zu jedem Thema genug Hintergrundwissen haben, um uns eine fundierte Meinung zu bilden.“

Die emotionale Verarbeitung der Nachrichten wird dabei gezielt durch Medienmechanismen verstärkt. Statt bloßer Berichterstattung stehen Emotionalisierung und Einzelschicksale im Vordergrund, wodurch wir nicht nur informiert, sondern in eine ständige Betroffenheit versetzt werden. Diese Überforderung kann zu Resignation oder übersteigerter Empörung führen.

Zwischen Kontrolle und Abhängigkeit

Hommel warnt vor den Folgen dieser Entwicklung: „Die ständige Konfrontation mit negativen Reizen kann zu Angststörungen, Depressionen und erhöhter Aggressivität führen.“ Wer sich dauerhaft von schlechten Nachrichten vereinnahmen lässt, verliert die Fähigkeit zur differenzierten Wahrnehmung.

Wir sollten uns öfter fragen: Was bringt es mir, eine starke Meinung zu einem Thema zu haben, das ich weder beeinflussen noch vollumfänglich verstehen kann?

Prof. Dr. Bernhard Hommel

Politisch wird dies gezielt genutzt. Die Strategie des „Flooding the Zone“, etwa von Donald Trump praktiziert, zielt darauf ab, die Menschen mit einer Flut an Schlagzeilen und Skandalen zu überfordern, sodass rationale Abwägung erschwert wird.

Wege aus der Informationsfalle

Wie kann man der ständigen Reizüberflutung entkommen? Hommel empfiehlt einen bewussten Umgang mit Nachrichten: „Eine halbe Stunde am Tag reicht völlig aus, um informiert zu bleiben. Niemand muss jede Schlagzeile in Echtzeit verfolgen.“

Auch die Konzentration auf positive Erlebnisse ist entscheidend. „Wer sich aktiv für das Schöne im Leben entscheidet, gewinnt Resilienz gegenüber der negativen Nachrichtenflut“, so Hommel. Zudem sei es sinnvoll, sich weniger von sozialen Medien treiben zu lassen. „Wir müssen nicht zu allem eine Meinung haben. Manchmal ist es besser, Informationen zur Kenntnis zu nehmen, ohne sich emotional hineinziehen zu lassen.“

Es geht letztlich darum, einen gesunden Umgang mit Informationen zu finden. Sich zu informieren ist wichtig, doch ebenso entscheidend ist es, nicht in einen Zustand ständiger Alarmbereitschaft zu verfallen. Denn wer immer nur auf das Schlechte in der Welt blickt, verliert den Blick für das Gute.

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