Fritz Becker

Fritz Becker über Wein, Verantwortung und Tradition

Wein zwischen zwei Welten

Die Pfalz, bekannt für ihre Weinbautradition, ist eine Region, in der Innovation oft mit Skepsis betrachtet wird. Wer sich in der Welt des Weins bewegt, weiß, dass Veränderung dort selten über Nacht geschieht. Das Weingut Friedrich Becker, seit sieben Generationen in Familienbesitz, ist ein Beispiel für diese feine Balance zwischen jahrhundertealter Tradition und mutiger Weiterentwicklung. Fritz Becker, der heutige Kopf des Weinguts, führt es mit einem Blick auf die Zukunft, ohne dabei die Wurzeln seiner Familie zu vergessen.

Der Spätburgunder als Lebensaufgabe

Schon lange bevor deutsche Weine international anerkannt wurden, galt das Burgund als unangefochtenes Zentrum für Spätburgunder. Die Pfalz, die sich heute als ernstzunehmender Herausforderer etabliert hat, verdankt ihren Ruf auch Winzern wie Friedrich Becker, dem Vater von Fritz Becker. Er gehörte zu den Pionieren, die den trockenen Spätburgunder in Deutschland salonfähig machten. Damals eine gewagte Entscheidung, heute ein Markenzeichen.

Mein Vater war ein Pionier in der Pfalz – er hat auf trockene Weine und Burgunder gesetzt, als das noch niemand wollte. Heute profitieren wir von seiner Vision.

Fritz Becker

„Mein Vater hat gegen jede Logik gehandelt“, erzählt Fritz Becker. „Niemand wollte trockene Weine aus der Südpfalz. Aber er wusste, dass unser Terroir, unsere Böden, ideal für Spätburgunder sind.“ Heute füllen sie jährlich zwischen 120.000 und 220.000 Flaschen ab, je nach Erntequalität. Die Lagenweine des Weinguts gehören zur Spitze deutscher Rotweine. Insbesondere die alten Reben, die bis zu 60 Jahre alt sind und tief in den Boden wurzeln, sorgen für eine Qualität, die mit den besten Weinen aus Frankreich mithalten kann.

Weinbau zwischen zwei Ländern

Eine Besonderheit des Weinguts Friedrich Becker liegt in seiner geographischen Lage. 75 Prozent der Rebflächen befinden sich auf französischem Boden – ein Erbe der wechselvollen Grenzgeschichte der Region. Dass dort trotzdem deutsche Weine produziert werden, ist einer historischen Sonderregelung zu verdanken. „Das ist ein absolutes Novum. Wir dürfen auf französischem Boden deutsche Weine machen – das gibt es weltweit nur in Schweigen“, erklärt Becker.

Nach dem Zweiten Weltkrieg waren die Weinberge auf der französischen Seite zwangsenteignet worden. Erst ein Staatsvertrag von 1955 erlaubte es den Winzern, ihre Flächen zurückzubekommen. Heute profitiert Becker von diesem Erbe – aber auch von den klimatischen Veränderungen. „Früher hatten wir oft das Problem, dass die Trauben gar nicht richtig reif wurden. Heute ist es fast umgekehrt: Wir müssen die Reife kontrollieren, damit die Weine nicht zu schwer werden.“

Handarbeit als Qualitätssiegel

Während viele Weingüter zunehmend auf maschinelle Lese setzen, bleibt man bei Becker dem klassischen Handwerk treu. „Unsere Erntehelfer schneiden nicht nur die Trauben ab, sie prüfen jede einzelne Beere auf Qualität“, sagt Becker. Mehr als 40 Leute sind während der Lesezeit im Einsatz – ein Aufwand, der sich in der Finesse der Weine widerspiegelt.

Auch der internationale Erfolg gibt ihm recht. Japan ist mittlerweile der wichtigste Exportmarkt des Weinguts. „Die Japaner haben ein tiefes Verständnis für Qualität und Perfektionismus“, sagt Becker. „Dort habe ich gelernt, dass man auch hochwertigen Rotwein zu rohem Fisch trinken kann.“ In der Gastronomie des Landes haben seine Spätburgunder und Chardonnays längst einen festen Platz.

Die Kunst des Weinmachens

Die Arbeit eines Winzers endet nicht mit der Lese. Es ist ein ständiger Prozess der Weiterentwicklung. „Es gibt so viele kleine Stellschrauben, die das Endprodukt beeinflussen“, erklärt Becker. „Jedes Jahr ist anders. Du weißt oft erst nach zehn Jahren, ob eine Entscheidung richtig war.“ Diese Experimentierfreude hat er von seinem Vater übernommen, der einst – gegen alle Konventionen – Burgunderreben aus Frankreich einführte. Heute setzt Becker auf eine Weiterentwicklung dieser Linie. „Es geht nicht darum, immer Neues zu machen. Es geht darum, das Bestehende zu perfektionieren.“

Dass er den Betrieb eines Tages an die nächste Generation weitergeben wird, ist für ihn eine Selbstverständlichkeit. „Weinbau ist ein Generationenprojekt. Mein Vater hat Reben gepflanzt, von denen ich heute profitiere. Ich pflanze Reben, von denen meine Kinder profitieren sollen.“

Dass Tradition und Fortschritt sich nicht ausschließen, beweist Fritz Becker mit jedem Jahrgang aufs Neue. Wer den ersten Zugang zu seinen Weinen sucht, sollte mit einem einfachen Spätburgunder beginnen. „Die Basis muss stimmen“, sagt Becker. „Wenn die nicht schmeckt, soll man zum Nachbarn gehen.“ Ein Satz, der ebenso humorvoll wie selbstbewusst ist – und wohl nur von jemandem stammen kann, der sich der Qualität seiner Weine sicher ist.

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