20. August 2026
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Daniel's Daily
Daniel's Daily — Episode 2

Schimpansen schlagen Professoren: Warum wir nicht mitbekommen, dass die Welt besser wird

Schimpansen schlagen Nobelpreisträger bei Fragen zum Zustand der Welt. Warum wir den größten Fortschritt der Menschheit nicht mitbekommen – und was das politisch bedeutet.

20. August 2026
Zum Nachlesen — das Gespräch als Essay

Der Guineawurm ist älter als fast alles, was Menschen über sich selbst aufgeschrieben haben; man fand ihn verkalkt in ägyptischen Mumien, und manche Forscher vermuten ihn hinter den „feurigen Schlangen" des Alten Testaments. Wer ihn hat, dem wächst über Monate ein bis zu meterlanger Wurm unter der Haut heran, der sich schließlich durch eine brennende Blase ans Licht arbeitet, zentimeterweise, über Wochen. Als das Carter Center 1986 die Ausrottungskampagne übernahm, zählte man dreieinhalb Millionen Fälle im Jahr, verteilt über 21 Länder. Im vergangenen Jahr waren es weltweit zehn. Nicht zehntausend: zehn, der niedrigste Stand, der je gemessen wurde. Gelungen ist das ohne Impfstoff und ohne Medikament, mit Wasserfiltern aus Stoff, mit Aufklärung, mit vierzig Jahren Geduld und einem Ex-Präsidenten, der zu sagen pflegte, er wolle den letzten Guineawurm gern überleben. Jimmy Carter starb Ende 2024, sein Wurm steht kurz davor, nach den Pocken die zweite ausgerottete Krankheit der Menschheitsgeschichte zu werden, die erste, die je durch bloßes Verhalten besiegt wurde. Eine Meldung von zivilisationsgeschichtlichem Rang, und sie lief, wo sie überhaupt lief, unter Vermischtes.

Die Taktfrequenz der Katastrophe

Diese Unsichtbarkeit hat Methode, und wer sie verstehen will, landet beim schwedischen Forscher Hans Rosling, der tausenden Menschen simple Fragen zum Zustand der Welt stellte und feststellte, dass Akademiker wie Banker schlechter abschnitten als der Zufall, systematisch verzerrt in Richtung Untergang. Dabei hat sich der Anteil der Menschen in extremer Armut seit 1990 von gut vier von zehn auf etwa einen von zehn verringert, rund anderthalb Milliarden sind ihr nach der aktuellen Rechnung der Weltbank entkommen, und verglichen mit 1990 sterben täglich etwa 20.000 Kinder weniger vor ihrem fünften Geburtstag. Dass davon so wenig ankommt, hat mit einer Asymmetrie der Geschwindigkeiten zu tun: Zerstörung ist schnell, Aufbau ist langsam, eine Bombe braucht eine Sekunde, ein Impfprogramm Jahrzehnte, und Nachrichten messen die Welt nun einmal in Stunden, einer Auflösung, in der fast nur Zerstörung sichtbar wird. Dazu kommt, was die Psychologie Negativity Bias nennt, die tiefere Prägekraft des Schlechten. Und schließlich die vielleicht bitterste Regel der Aufmerksamkeit: Erfolg vernichtet seine Zeugen. Das Ozonloch verschwand aus dem Gedächtnis, gerade weil das Montreal-Protokoll wirkte und die Ozonschicht seither heilt. Die verhallte Warnung wird Geschichte, die erfolgreiche sieht im Rückblick aus wie Hysterie.

Harmlos ist diese Schieflage nicht, denn ein Publikum, das den Abstieg für ausgemacht hält, ist bewirtschaftbar, von Verschwörungserzählern ebenso wie von jeder Politik, die vom Satz lebt, früher sei alles besser gewesen; der funktioniert exakt so lange, wie niemand die Kurven kennt. Die Antwort darauf ist kein Zweckoptimismus. Rosling nannte sich Possibilisten und bestand auf einer Doppelaussage, die man aushalten muss: Die Welt ist schlecht und wird zugleich besser, fünf Millionen tote Kinder im Jahr bleiben ein Skandal, während der Rückgang von dreizehn Millionen ein Triumph ist. Wer den Fortschritt kennt, wird dadurch nicht träge, im Gegenteil, denn diese Kurven wurden nicht von Zuversichtlichen gebogen, sondern von Alarmierten mit langem Atem, von Leuten mit Stofffiltern und Klemmbrettern in Dörfern, deren Namen nie eine Schlagzeile erreichten. Am Ende steht man bei Václav Havels Bestimmung der Hoffnung: nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn hat, wie immer es ausgeht. Zehn Würmer noch, dann hätte diese Gewissheit wieder einmal recht behalten.

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